Wer kann profitieren? Zur aktuellen Lebewelt der Bastau
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Ein Männchen der Gebänderten Prachtlibelle am Ufer der Bastau. Während die "fertigen", geschlechtsreifen Insekten (Imagines) auf geeignete Sitzwarten im Uferbereich und auf andere Gewässer- und Uferstrukturen für die Balzrevierabgrenzung angewiesen sind, benötigen ihre im Wasser lebenden Larven z.B. genügend Sauerstoff und eine strukturreiche Gewässersohle, um einerseits getarnt auf die Jagd nach kleineren Wasserinsektenlarven oder Würmern zu gehen und sich andererseits selbst vor Fressfeinden verstecken zu können. Larven wie die von Libellen, Eintagsfliegen oder Zuckmücken und vielen anderen Insekten, bilden mit Muscheln, Krebsen und sonstigen Wirbellosen die Lebensgemein-schaft des Makrozoobenthos (MZB). Das MZB wird im Bastaumonitoring untersucht. Nur recht wenige Arten kommen vor, einzelne davon aber in sehr hohen Vorkommen, Ausdruck eines beeinträchtigen Ökosystems.​ Aber auch seltene und gefährdete Arten von Muscheln, Schnecken oder Käfern, zumeist in Restbeständen, sind im MZB der Bastau noch vorhanden.
(Foto: Frenz)

Ein Eisvogel im Jahr 2025 an einem Graben in der Bastauniederung. Eisvögel sind in einem kleinen Vorkommen an der Bastau immer wieder zu beobachten. Der Eisvogel nutzt dabei für die Futtersuche die gesamte Bastau und auch die Neben-gewässer und Tümpel in der Niederung. Er benötigt Sitzwarten in Uferbäumen, am besten über das Wasser reichende Äste und Zweige, von denen sich die Vögel aus ins Wasser stürzen, um kleine Fische zu erbeuten. Ein Futterangebot ist vorhanden: Bitterlinge, Moderlieschen, Stichlinge und andere kommen stellenweise auch in großer Zahl vor.
Für die Fortpflanzung benötigen Eisvögel Uferabbrüche, in denen sich ihre Bruthöhlen befinden. Solche sind rar an der ausgebauten Bastau und können jetzt durch die Umgestaltung der Ufer und bei einer Eigendynamik der Bastau in den umgestalteten Bereichen wieder mehr werden. (Foto: Frenz)
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Fische sind Bioindikatoren und ihre Artengemeinschaften liefern viele Hinweise auf die Qualität ihres Lebensraumes. Unter Wasser sind sie aber nicht, oder nur sehr schwer, zu entdecken und müssen deswegen mühsam und schonend erfasst werden, um auch ihre Lebensraumanforderungen in den Blick nehmen zu können. Das Erfassen der Fischbesiedlung ist ein Schwerpunkt im Bastaumonitoring.
Der Gründling - früher in der Region "Grimpe" genannt - kommt in Bastau und Weser bei Minden noch häufiger vor. Der Kleinfisch ist eine der Charakterarten der Bastau und vieler Fließgewässer im Tiefland. Gründlinge benötigen ein gewisses Mindestmaß an Strukturvielfalt für ihre Laichplätze und Kinderstuben und können insofern absehbar von der "Renaturierung" profitieren. Wie bei mehreren anderen Fischarten zu beobachten, wechseln auch Gründlinge zwischen Weser und unterer Bastau. (Foto: Frenz)

Die im Vergleich zum Gründling größeren und hochrückigen Brassen laichen in der Bastau und wechseln als halbwüchsige Fische, wie der im Bild gezeigte, in die Weser. Einige bleiben und wachsen in der Bastau zu stattlichen Exemplaren mit Längen um 60 cm und mehr, so "groß wie ein Klodeckel", heran. Als Leitfischart der Brassen-Region profitiert die Brasse von dem Formenschatz einer naturnahen Flussaue mit Altwässern, in denen strömungsgeschützte Laichplätze, Kinderstuben und auch Winterrückzugsräume liegen. Bedingt durch ihre geringe Gewässergröße mit zumeist flachen Bereichen ist die Bastau im naturnahen Zustand vor allem als Laichplatz, Kinderstube und Rückzugsraum bei Hochwasser für die Brasse wichtig.​
(Foto: Bastauprojekt)

Jede Art zählt! Gütesiegel im Fischbestand
Die langjährigen Fischbestandserfassungen dokumentieren für die untere und mittlere Bastau einen Fischartenbestand aus zumeist weit verbreiteten Arten in insgesamt mittleren Bestandsgrößen. Bislang wurden im gesamten Untersuchungsgebiet schon 31 Fischarten nachgewiesen. In Einzelfunden oder Reliktbeständen werden immer wieder auch seltene bis sehr seltene heimische Fischarten, wie die im Bild gezeigte Quappe (2022), Steinbeißer, Schlammpeitzger (zuletzt 2017) und andere nachgewiesen.
Der nachhaltige Schutz, Erhalt und Entwicklung der Reliktvorkommen sollte mit der naturnahen Gewässerentwicklung und insgesamt auch mit der Gewässerbewirtschaftung und Gebietsentwicklung im Einzugsgebiet einhergehen. Es ist zu hoffen, dass das vermutlich geringe Wiederbesiedlungspotenzial die Bemühungen um die Lebensraumverbesserungen nutzen kann.
Wie bei anderen "Renaturierungsmaßnahmen" von Fließgewässern kommt dafür den oberhalb der Umgestaltung gelegenen Bastaubereichen eine sehr große Bedeutung zu, weil von dort aus maßgeblich die Wiederbesiedlung bestimmt wird.
(Foto: Bastauprojekt)

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Neu eingewanderte oder eingeschleppte, bioinvasive Arten wie die Nutria, das im Bild gezeigte Pärchen versteckt sich hier zudem unter dem ebenfalls eingeschleppten Japanischen Staudenknöterich, oder der Amerikanische Flusskrebs (Kamberkrebs) kommen als Fremdgebietsarten in und an der Bastau vor und weitere Arten sind zu ergänzen: Riesenbärenklau, Waschbär und andere.
Beschränkt auf die rein im Wasser lebenden aquatischen Arten zeigen die über 20 jährigen Beobachtungen im Gebiet, dass es (noch?) zu keiner größeren Verbreitung von sogenannten "Problemarten" in der letzten Zeit in der Bastau kam. So kommt der allochthone Blaubandbärbling stetig aber fleckenhaft verteilt in der mittleren Bastau und im Bastau-Entlaster vor. Die Art ist aber nicht häufig und nimmt auch nicht erkennbar zu, so dass negative Auswirkungen auf das Moderlieschen (noch?) nicht zu befürchten sind. Beide Arten stehen in Konkurrenz zueinander und das Moderlieschen gilt unter bestimmten Bedingungen als die konkurrenzschwächere der beiden Arten. Die Entwicklung ist zu verfolgen.
Dies gilt auch (noch?) für die Bestände der bioinvasiven Fischarten Marmorgrundel und Schwarzmund-Grundel, zwei Grundelarten, die zeitweise aus der Weser kommend in der unteren Bastau häufiger auftreten, dann aber bislang über den Sommer auch wieder weniger wurden und im Vorkommen auf den untersten Bastaubereich auf kurzer Strecke beschränkt sind. Ihre Entwicklung ist aber unbedingt im Blick zu behalten. Hier zeigt sich ein weiterer Vorteil des laufenden Bastaumonitorings - datenbasiert kann ggf. schnell behördlich und gemeinsam mit den Beteiligten vor Ort, darunter nicht zuletzt die Fischerei, auf negative Entwicklungen reagiert werden.
(Fotos: Frenz)